Fellpflege · 6. Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit
Doppelfell scheren? Warum ich meistens davon abrate
Husky, Spitz oder Golden Retriever im Sommer scheren, damit es kühler ist? Klingt logisch, ist aber oft keine gute Idee. Was Unterwolle leistet und was stattdessen hilft.

Jeden Sommer kommt die Frage: „Kannst du meinen Husky nicht einfach kurz scheren? Dem ist doch so warm.“ Ich verstehe den Gedanken gut. Trotzdem rate ich bei Hunden mit Doppelfell in den meisten Fällen davon ab.
Was ist Doppelfell überhaupt?
Doppelfell besteht aus zwei Schichten: dem längeren, festeren Deckhaar und der weichen, dichten Unterwolle darunter. Typische Rassen sind Husky, Malamute, Spitz, Samojede, Schäferhund, Golden Retriever, Berner Sennenhund und Australian Shepherd. Auch viele Mischlinge haben Unterwolle.
Warum das Fell auch vor Hitze schützt
Die Unterwolle wirkt wie eine Isolierschicht: im Winter gegen Kälte, im Sommer auch gegen Hitze von außen. Das Deckhaar schützt die Haut zusätzlich vor der Sonne. Ist das Fell sauber ausgekämmt, kann die Luft gut zirkulieren. Wird es dagegen komplett abgeschoren, fehlt dieser Schutz, und die Haut ist der Sonne direkt ausgesetzt.
Was nach dem Scheren passieren kann
- Das Fell wächst oft ungleichmäßig nach. Die Unterwolle ist häufig schneller als das Deckhaar, das Fell wirkt dann stumpf und wollig und verfilzt leichter.
- Bei manchen Hunden wächst das Fell an einzelnen Stellen sehr lange oder gar nicht mehr richtig nach. Fachleute sprechen dann von einer Alopezie nach dem Scheren.
- Ohne Deckhaar steigt das Risiko für Sonnenbrand, gerade bei heller Haut.
Das passiert nicht bei jedem Hund. Aber das Risiko ist da, und es lässt sich vorher nicht sicher sagen, welcher Hund betroffen ist.
Was stattdessen hilft
Viel wirksamer ist es, die lose Unterwolle gründlich zu entfernen. Im Salon mache ich das mit speziellen Kämmen und dem sogenannten Carding, bei dem die Unterwolle schonend herausgearbeitet wird, ohne das Deckhaar zu beschädigen. Das Ergebnis: deutlich weniger Fell, bessere Luftzirkulation und eine geschützte Haut. Mehr zu diesem Angebot findest du unter Unterwolle & Fellwechsel.
Zu Hause hilft regelmäßiges Bürsten mit der richtigen Bürste. Welche das ist, erkläre ich im Beitrag Die richtige Bürste für dein Hundefell. Wie du deinem Hund durch heiße Tage hilfst, zeigen die Sommertipps auf unterhunds.de.
Wann Scheren doch sinnvoll ist
Es gibt Ausnahmen. Ist ein Fell so stark verfilzt, dass das Auskämmen für den Hund eine Tortur wäre, ist das Scheren oft die freundlichere Lösung. Auch aus medizinischen Gründen kann es nötig sein, etwa vor einer Operation oder bei Hautproblemen. Das besprechen wir dann gemeinsam, bei Hautproblemen am besten zusammen mit deiner Tierarztpraxis.
Geschrieben von Helena Rust, Hundefriseurin und Hundetrainerin in Illingen-Wustweiler.
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